Content First – auf den Inhalt kommt es an

Als Webdesigner, Webentwickler und Autor mit SEO-Ambitionen habe ich über die Jahre eine Menge Projekte gemeinsam mit Werbeagenturen realisiert. Immer wieder kam es dabei zu Problemen, die durch einen falschen Workflow entstanden sind. Deshalb bin ich inzwischen ein großer Fan von Content First.

Content First ist Unsinn, Mobile First ist besser

Um es gleich vorweg zu nehmen. Content First ist nicht der einzige Startpunkt für neue Internetprojekte. Auch Mobile First und User First sind richtig. Das eine schließt die anderen nicht aus.

Typische Fehler durch Content First vermeiden

Das hat doch jeder Internetnutzer schon einmal gesehen. Der Text passt einfach nicht in den Button, die Navigation ist zu lange geraten, bricht an einer denkbar schlechten Stelle um und zerstört das hübsche Weblayout.

Oft sind es mehrsprachige Webseiten, bei denen diese Probleme auftreten. Auch große Webseiten wie Amazon, Microsoft oder Google haben dieses Problem erst im Laufe der Jahre in den Griff bekommen. Mehrsprachigkeit ist eben nicht trivial. „Buy now!“ ist eben kürzer als „Jetzt bestellen!“. Wenn dann noch der Rechtsanwalt mit dem Zusatz „Jetzt zahlungspflichtig bestellen!“ kommt, um den Shop für Deutschland rechtssicher zu bekommen, dann hat der Button endgültig seine Passform verloren.

Dieses Problem könnte Nutzern älterer Windows Versionen schon begegnet sein. Anstatt über den Button hinaus zu schreiben, hat man sich für eine Abkürzung entschieden. Optimal ist die Lösung trotzdem nicht.

Ich brech ab! Problem im Windows UX Design beim Cancel Button.

Nicht nur Mehrsprachigkeit und Rechtssicherheit sind typisch für solche Anzeigefehler. Immer wenn Texter und SEOs in einem vorgefertigten Layout-Rahmen arbeiten sollen, passieren Unfälle dieser Art.

Der alte Workflow und seine Tücken

Das Webdesign steht. Es steht zwar überall „Lorem ipsum dolorem“, der typische Platzhaltertext, aber die Geschäftsleitung ist begeistert. Die Präsentation ist rundum gelungen. Jetzt sind die Webentwickler dran, den Designentwurf in eine funktionierende Webseite umzuwandeln.

Es wird eifrig programmiert. Vor allem der großflächige Teaser soll später Aufmerksamkeit erregen. Auf dem Hintergrundbild, das als Platzhalter verwendet wird räkelt sich ein Model auf der schicken Designercouch. Die Textbox ist geschickt darüber drapiert, ohne das Produkt oder die weibliche Schönheit zu verdecken. Statt Lorem Ipsum hat man inzwischen sogar „Schöne Wohnwelt – Willkommen in Ihrem neuen Zuhause“ als Platzhalter eingesetzt.

Weder lesbar noch vertrauenserweckend. Dieser Fehler kostet Kunden.

Nach vielen Stunden Programmierarbeit ist die neue Webseite fertig. Das behaupten zumindest der Webdesigner und die Webentwickler. Die Textagentur und der Suchmaschinen-Experte sehen das anders. Sie versuchen gerade gemeinsam eine Lösung für ihr Problem zu finden. Denn statt dem wenig aussagekräftigen Platzhaltertext sollen gute Inhalte in die Webseite, die das Suchmaschinenranking unterstützen. Der Fotograf fragt sich zur gleichen Zeit, wie er alle Produktbilder so hinbekommt, dass die Textbox nicht das halbe Produkt verdeckt.

Problem erkannt? Hier kommt die Lösung.

Content First ist die Problemlösung

Zuerst kommt der Inhalt. Schicke animierte Webseite, Online-Shop oder mehrsprachiges Newsportal. Es spielt keine Rolle für welche Art von Projekt eine Neuentwicklung oder ein Relaunch geplant ist. Wer zuerst eine optisch simple Plattform aufsetzt und alle Inhalte dort vereint, spart sich das Ping-Pong Spiel zwischen Texter und Gestaltung. Am besten wäre es, wenn sich die Inhalte nicht auf wenige Beispiele beschränken, sondern alle Artikel, Produkte, Webseiteninhalte und Sprachen bereits vorhanden sind.

Geben Sie Ihrem Webdesigner direkten Zugriff auf diese Plattform und machen Sie die Vereinbarkeit von Design und Inhalten zur dringenden Zielvorgabe.

Lassen Sie den Webentwickler direkt auf Ihrer Content-Plattform arbeiten. Tauchen während der Programmierung des Weblayouts und der Gestaltungselemente Probleme auf, können diese frühzeitig gelöst werden.

Content First, Mobile First und User First

Wenn Webdesigner und Webentwickler mit echten Inhalten arbeiten dürfen, steht auch den beiden Ansätzen Mobile First und User First nichts im Wege. Dazu werde ich in Kürze einen ausführlichen Artikel schreiben.

Content First in der Praxis

Ich selbst habe beschlossen, die Content First Strategie auf meinen Webseiten zu nutzen. Das ist nicht immer einfach, denn während die Gestaltungsideen schon in meinen Fingern jucken und schleunigst aus mir heraus wollen, ist die Erstellung von Inhalten manchmal zäh und langwierig.

Auf dieser Webseite möchte ich trotzdem mindestens 15 Artikel schreiben, nahezu alle Unterseiten, Kategorien, Tags und Projekte mit Textinhalten versehen und jeden Button beschriftet haben, bevor das erste Pixel geschubst wird.

Sieht noch nicht gut aus. Content First Webseite ohne Layout und Design.

Ich werde diesen Prozess in den nächsten Wochen für Sie festhalten. Bereits bei den ersten drei Artikeln wird klar. Die langen Titelzeilen meiner Artikel passen nicht in ein kleines dreispaltiges Layoutsystem. Ich hatte ein entsprechendes Grid geplant. Jetzt ist noch eine gute Zeit, mir etwas besseres einfallen zu lassen:

Blog Grid mit viel zu langen Titelzeilen. Dank Content First frühzeitig erkannt.

Notiz: nach Content kommt nicht immer sofort das Design. Wer den Webentwickler frühzeitig in das Projekt einbezieht, erspart sich eventuell weitere Überraschungen. Beispiele folgen.